Bildermix 1981-2008
Michael Globisch – Künstlerische Entwicklung
So richtig angefangen hat mein Interesse für die Kunst eigentlich im Jahr 1981. Zu dieser Zeit war ich noch Schüler am Bocholter Euregio-Gymnasium und hatte mächtig viel Spaß am Kunst- und Werkunterricht.
Im August 1981 fand in Köln die „Westkunst“ statt. Eine Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler seit 1939. Meine damalige Kunstlehrerin hatte die Idee, mit ihrem Kunstkurs zu dieser Ausstellung zu fahren. So richtig begeistert darüber war jedoch niemand der Schüler, mit einer Ausnahme, und die war ich. Bis dato hatten wir im Kunstunterricht schon Künstler wie Salvador Dali, René Magritte, Max Ernst, aber auch moderne Künstler wie Joseph Beuys und Alberto Giacometti besprochen. Alle Künstler kannte ich vorher noch nicht, war aber ganz begeistert, als ich etwas über ihre Kunst erfuhr. Im Werkunterricht hatte ich mich bis dahin mit viel Engagement an den praktischen Arbeiten abgearbeitet und immer lag mein Notendurchschnitt zwischen Gut und Sehr gut, was natürlich ein weiterer Ansporn für mich war. Meiner damaligen Kunstlehrerin habe ich viel zu verdanken, hat sie doch schon früh gemerkt, dass ich mich ganz besonders für ihren Unterricht interessierte und mich mit praktischen Arbeiten hervorgetan hatte. Zur nahenden Abiturprüfung wählte ich dann auch das Fach Kunst zu meinem 4. Abiturfach, was damals hieß, dass ich eine mündliche Prüfung über mich ergehen zu lassen hatte, auf die ich mich jedoch sehr freute. So erledigte ich die mir gestellten Aufgaben auch gut möglichst und war mir sicher, mit der mündlichen Prüfung jede Menge Punkte im Abitur machen zu können. Die Prüfung im Fach Kunst bestand ich dann auch mit der Note 1, und somit hatte ich das Abitur in der Tasche, weil ich auch in den anderen Fächern nicht unbedingt schlecht war.
Nach dem bestandenem Abitur musste ich erst einmal zur Bundeswehr, obwohl ich mich schon gerne für ein Kunststudium beworben hätte. Das musste ich jetzt aber erst einmal hinten anstellen. Meine Bundeswehrzeit war recht kurz, weil ich krankheitsbedingt (wegen einer starken Sehschwäche) bereits nach drei Monaten der Grundausbildung schon wieder entlassen wurde. Leider war zu dieser Zeit bereits die Bewerbungsfrist für ein Kunststudium überschritten, das hieß, dass ich noch ein ganzes Jahr warten musste, um mich für ein Studium der freien Kunst bewerben zu können. Da jedoch für diese Bewerbung eine Mappe mit ausgewählten Arbeitsproben vonnöten war, hatte ich jetzt viel Zeit diese Mappe zu erstellen. 1982 begann ich dann damit, großformatige Bleistiftzeichnungen anzufertigen, mit denen ich sogar noch vor meinem Studium an Ausstellungen teilgenommen hatte. Außerdem übte ich mich jetzt im Umgang mit Farben und verschiedensten Mal- und Zeichentechniken. Alle so entstandenen Bilder sammelte ich fleißig in meiner Mappe, um diese dann der Prüfungskommission in der Düsseldorfer Kunstakademie vorzulegen. Ich hatte mich bereits entschlossen, mich an dieser renommierten, wenn nicht gar besten Kunstakademie Deutschlands zu bewerben. Weitere Bewerbungen an anderen Kunsthochschulen und Akademien kamen für mich nicht in Frage. Meine Kunstlehrerin, die ebenfalls an der Düsseldorfer Akademie studiert hatte, unterstützte mich auch nach dem Abitur noch mit guten Ratschlägen und Tipps, die ich gerne von ihr annahm.
Zum nächsten Wintersemester im Jahr 1983 brachte ich dann auch meine mittlerweile prall gefüllte Mappe in die Akademie und hatte mich damit ganz offiziell um ein Kunststudium beworben. Noch im Juni desselben Jahres bekam ich die Zusage zu diesem Studium. Meine Mappe wurde von der Prüfungskommission mit der Note 3,0 bewertet, was mich doch schon ein bisschen geärgert hat, war ich es doch gewohnt, bisher nur Zweien und Einsen für meine Arbeit bekommen zu haben. Dass die Note 3,0 für eine Bewerbung an der Kunstakademie Düsseldorf aber schon eine sehr gute Bewertung war, erfuhr ich erst später. Ende September 1989 begann dann mein Studium. Vorher hatte ich mir in Düsseldorf eine kleine karge Wohnung gemietet, in der ich auch künstlerisch arbeiten konnte. Die ersten Tage in der Akademie waren jedoch sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Mit mir sind in diesem Semester noch ca. 80 weitere Studenten aufgenommen worden, die alle im Orientierungsbereich der Akademie arbeiteten. Dort, im Orientierungsbereich mussten alle Studienanfänger die ersten beiden Semester an der Akademie fristen, bevor sie sich in verschiedenste Meisterklassen bewerben konnten. Ich nutzte diese Orientierungsphase dazu, mich in ganz anderen Bereichen der bildenden Kunst zu erproben. So begann ich dann damit, bildhauerisch tätig zu werden, was ich vorher noch nie gemacht hatte. Das war eine sehr spannende Arbeit, die ich während der ersten beiden Semester unter Anleitung des damaligen Dozenten und späteren Rektors der Akademie Tony Cragg, bewerkstelligte. Ich übte mich im Umgang mit Gips, Metall und auch mit Holz, dabei entstanden einige sehr interessante Arbeiten. Nach den beiden Orientierungssemestern entschloss ich mich dazu, noch ein weiteres Semester im Orientierungsbereich zu verbringen, wusste ich bis dahin doch nicht, in welche Meisterklasse ich weiter studieren wollte. Mittlerweile war ich aus privaten Gründen wieder von Düsseldorf zurück nach Bocholt gezogen. Hier hatte ich das Glück, ein sehr gutes Atelier in Rhede/Krommert auf einem alten Bauernhof zu finden. Ich arbeitete weiterhin fast ausschließlich nur bildhauerisch, dann und wann entstanden ein paar Bilder, denen ich jedoch kaum Beachtung schenkte. Nach diesem 3. Semester in der Düsseldorfer Kunstakademie, fand ich dann auch den für mich geeigneten Professor: David Rabinowitch, ein Kanadier, der noch nicht lange in der Kunstakademie tätig war und dauernd zwischen seinem Atelier in New York und der Akademie in Düsseldorf hin und her pendelte. Er war ganz begeistert von meinem Atelier in der Abgeschiedenheit der Münsterländischen Landschaft. Er bestärkte mich darin, dort weiter bildhauerisch zu arbeiten. In dieser Zeit entstanden eine Vielzahl plastischer Arbeiten, die zum größten Teil aber noch sehr an die Arbeit meines Professors erinnerten. Erst spät konnte ich mich seinem Einfluss entziehen. Doch begann ich nun damit, mich mit einem Mitstudenten künstlerisch auseinander zu setzen, was meiner Arbeit sehr von Vorteil gereichte. 1986 hatte ich dann auch zusammen mit meinem Mitstudenten Klemens Hechenrieder eine erste Ausstellung im Bocholter Rathaus, die für uns beide sehr erfolgreich verlief. Bis hin zu meinem Studienende folgten noch weitere Gruppen- und Einzelausstellungen, meist im Einzugsbereich Bocholts und Umgebung, aber auch in den Niederlanden konnte ich meine Arbeiten präsentieren.
Im Jahr 1989 hatte ich die Möglichkeit für ein Jahr in Hamburg arbeiten zu können, was mein Professor an der Akademie nur für gut befand. Dort in Hamburg widmete ich mich fast ausschließlich der Malerei. Es war sehr schwer in der Großstadt an geeignetes bildhauerisches Material zu gelangen, vor allem wenn man nur wenig Geld hatte. Ich wohnte in Hamburg in einer freien Ateliergemeinschaft, zusammen mit zwei anderen Künstlern, was wiederum meinen Arbeiten sehr zu Gute kam, musste ich mich doch auch mit der Kunst meiner Mitbewohner auseinander setzen. In diesem Jahr dort in Hamburg wurde ich dann von meinem Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie zum Meisterschüler ernannt, was für mich bedeutete, dass ich ein weiteres Jahr BaföG bekam. Außerdem war die Ernennung zum Meisterschüler natürlich auch eine Anerkennung meiner bisherigen künstlerischen Arbeit.
Nach diesem einem Jahr in Hamburg zog ich wieder nach Bocholt zurück. Dort lernte ich Jochen Hempel kennen, ein in der ostdeutschen Kunstszene bewanderter Grafiker, dem es nach dem Fall der Berliner Mauere nach Bocholt verschlagen hat. Zusammen mit ihm gründete ich im gleichen Jahr noch die Galerie „Bocholter Kunsthof“ im Hinterhof eines alten Hotels. Wir zeigten zum ersten Mal in Bocholt Malerei der Leipziger Schule, mit Künstlern, die mittlerweile international anerkannt sind. Leider konnten wir jedoch aus Geldmangel die Galerie nach drei Ausstellungen nicht weiter führen. Jochen Hempel zog wieder nach Leipzig zurück, wo er mittlerweile eine gute gehende Galerie sein Eigen nennen kann. Ich machte mich wieder auf die Suche nach einem neuen Atelier und einer neuen Arbeitsstelle, bekam ich doch zu dieser Zeit schon kein BaföG mehr, weil ich mein Kunststudium beendet hatte.
Ich fand Arbeit in einem Bocholter Grafik- und Werbeunternehmen und gleichzeitig ein geeignetes Atelier in den Räumlichkeiten eines Andruckstudios. Dort setzte ich meine Arbeit an meinen Bildern fort.
Nach einem Besuch New Yorks im Jahr 1991 bekam ich die Möglichkeit dort in einer Galerie in Soho an einer Gruppenausstellung teilzunehmen. Ich konnte sogar eines meiner Bilder verkaufen, so dass ich den Hin- und Rückflug in die Vereinigten Staaten finanziell wieder gut machen konnte. Auch meine Arbeit im Bocholter Atelier war mit Erfolg gekrönt, hatte ich doch mittlerweile eine kleine Fan-Gemeinde in meiner Heimatstadt. Es folgten Einzel- und Gruppenausstellungen im Euregio-Kunstkreis Bocholt, im Schlösschen Borghees in Emmerich, im Konferenzgebäude der Firma 3M in Borken und auch auf der „Arti Route 93“ in Aalten-Bredevoort, in den Niederlanden war ich mit einigen Bildern vertreten.
Nach einer gesundheitlich bedingten Schaffenspause von 3 Jahren bekam ich Kontakt zur Firma Josef Middelkamp, wo ich zusammen mit einem hiesigen Künstler einige Ölbilder zeigen konnte. Daraus entwickelte sich eine tiefgehende Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem jungen Bocholter Unternehmer. Ich war weiterhin künstlerisch in Bocholt aktiv und mittlerweile auch über Bocholts Grenzen hinaus bekannt. Es folgten Ausstellungen in Sachsen-Anhalt, in Münster, in Heidelberg, in Gelsenkirchen, in Lembeck, in Coesfeld und in Borken. Mittlerweile waren meine Bilder auch in der Online Galerie für Insider Art in Berlin, bei Saatchi-online und weiteren Internet-Galerien zu sehen. Selbst in der Sparte „Outsider-Kunst“ habe ich mir in der Zwischenzeit einen Namen gemacht.
Nun noch ein paar Worte zu meiner Kunst im Allgemeinen.
Seit 1997 arbeite ich hauptsächlich künstlerisch am Computer. Diese meine Arbeiten lassen sich am besten mit dem Wort Computercollagen umschreiben. Es sind grafische Arbeiten, die computergeneriert sind. Ihr Ursprung liegt in einer Idee, die durch die Collagetechnik (eine Kombination aus bereits bestehendem, visualisiertem Material) konkretisiert und umgesetzt wird. So verschmelzen „fiktive Realitäten“ zu einer subjektiven Weltsicht, gewöhnliche Zusammenhänge erhalten eine poetisch, bildliche Dynamik und es entstehen Bilder mit gewollt, subtil, sinnlichen Inhalten. Meine künstlerische Tätigkeit orientiert sich sowohl an traditionellen Collagetechniken, als auch an den konzeptuellen Methoden der „Neuen Medien“. Im Vordergrund steht dabei nicht die rechnergesteuerte Anwendung, sondern die Erforschung der ästhetischen und sinnlichen Kräfte einer technologisierten Umwelt.
Meine Collagen haben keine Titel, sind aber mit einer Zahlenfolge versehen, die auf das Entstehungsdatum und die laufende Bildernummer hinweist.
Meine nächsten Projekte waren eine Ausstellung in Berlin zur Nachtundnebel-Kunstaktion 2011, sowie einige Publikationen in überregionalen Kunstmagazinen.
Neben meiner computergenerierten Arbeit male ich auch wieder und versuche in diesen Bildern einen Zusammenhang mit der Arbeit am Computer zu finden, was mir mehr schlecht als recht gelingt.
Ab und zu entstehen noch plastische Arbeiten, denen ich jedoch nicht allzu viel Wert beimesse.
Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, nur noch in ausgewählte Galerien oder Institutionen auszustellen und mich wieder mehr meiner literarischen Arbeit zu widmen.
(Bocholt, 13.09.2011)